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5.5.2019

Geduld

„Der Jüngling hingegen musste an seinen Schatz denken. Je näher er seinem Traum kam, umso schwieriger gestalteten sich die Dinge. Das, was der alte König als Anfängerglück bezeichnet hatte, galt nicht mehr. Was weiter galt, das wusste er: dass Ausdauer und Mut eines Menschen geprüft werden, der nach seinem persönlichen Lebensweg sucht. Darum durfte er auch nichts überstürzen oder ungeduldig werden. Sonst würde er die Zeichen Gottes am Wegrand nicht bemerken.“

Diese Zeilen aus dem Alchimisten von Paulo Coelho habe ich heute gelesen. Kennst Du dieses Gefühl, wenn du etwas liest, hörst oder siehst und du gehst damit in vollkommene Übereinstimmung? Du fühlst, dass es – für dich – die Wahrheit ist.

Ich befinde mich auf meinem persönlichen Lebensweg in einer Phase, in der meine Geduld, Ausdauer und mein Mut auf den Prüfstein gestellt werden. Zu Beginn der inneren Reise und der bewussten Beschäftigung mit der Persönlichkeitsentwicklung, geht oft vieles schnell. Kleine Erfolgserlebnisse und Enwicklungen im äußeren Leben, wertvolle Begegnungen und die scheinbaren Zufälle waren häufiger. Das ist wohl das Anfängerglück, von dem im Zitat die Rede ist.

Je weiter man geht und je tiefer man in sich hineinblickt, umso langsamer scheinen sich die Fortschritte bemerkbar zu machen oder es geht einem selbst nicht schnell genug. Man wird ungeduldig und möchte endlich wissen, was wahr und richtig ist. Man möchte seine Aufgabe im Leben erkennen und sie mit Freude ausfüllen. Doch was, wenn sich diese Suche nach der Lebensaufgabe länger hinzieht? Wenn man immer wieder denkt, sie gefunden zu haben und dann aber feststellen muss, dass sie es doch nicht ist? Dann ist nicht nur Geduld gefragt, sondern vor allem Ausdauer und Mut, um auf dem persönlichen Weg zu bleiben, nicht umzudrehen oder gar aufzugeben. Es bleibt einem nichts anderes übrig als zu akzeptieren, dass es so ist und die Reise weitergeht. Sie geht ja ohnehin immer weiter.

Je besser ich es schaffe in solchen Phasen im jetzigen Moment zu bleiben und nicht ständig in die Zukunft zu schauen, desto leichter fällt es mir damit umzugehen. Richte ich meinen Blick zu oft und zu stark in die Zukunft, auf Ziele und Erwartungen und versuche irgendetwas zu forcieren, bin ich sehr schnell im Zustand der Ungeduld und des inneren Drucks. In diesem Zustand wird sich wohl nur selten etwas zeigen, dass aus dem Herzen kommt und das ist es ja, worauf wir wahrscheinlich alle warten: Dass sich etwas zeigt, was aus unserem tiefsten Herzen kommt. Etwas, das so stark mit uns verbunden ist, dass wir vollkommen spüren können, dass es wahr und richtig ist. Das ist dann ein Zeichen Gottes. Diese Zeichen können wir nur wahrnehmen, wenn wir achtsam unseren Weg gehen und mit unserem Fokus in der Gegenwart sind, im vollen Bewusstsein. Ansonsten kann es passieren, dass wir einfach an ihnen vorbeigehen, sie übersehen und dabei auch die Freude an unserem Lebensweg verlieren.

Deshalb lohnt es sich geduldig zu sein und unangenehme Phasen in Kauf zu nehmen. Wir werden häufig geprüft, ob wir bereit sind, weit genug zu gehen, unsere Komfortzone zu verlassen und ob wir die nötige Ausdauer haben, wenn es anstrengend wird. Wir können die Dinge nicht künstlich beschleunigen, jeder Mensch macht seine Erfahrungen und Entdeckungen in seinem eigenen Tempo – dem Tempo, dass die Seele vorgibt. Auch die Anzahl an Erfahrungen und wie sie genau aussehen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Aber eines ist uns Allen gemeinsam: Gehen müssen wir selbst! Pausen, Umwege oder Irrwege gehören dazu und dürfen sein. Alles geschieht zur rechten Zeit.

 

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