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18.03.2019

Warum fühl ich mich mies?

Diese Momente kennen wir sicher alle: Wir fühlen uns irgendwie doof, unwohl, verwirrt, unzufrieden, einfach irgendwie nicht wirklich glücklich. Und diese Momente können manchmal ganz schön lange und die damit verbundenen Gefühle sehr hartnäckig sein. Es äußert sich z.B. in einem „sich-nicht-richtig-fühlen“, „sich-nicht-am-richtigen-Platz-fühlen“ oder „irgendwas-stimmt-einfach-nicht-Gefühl“. Und es ist die ganze Zeit da, irgendwo im Hintergrund, mal stärker, mal schwächer – ein undefinierbares Gefühl von Unwohlsein, Unsicherheit oder Unzufriedenheit.

Hinter jedem Gefühl steckt oft ein Gedanke oder gar ein Glaubenssatz und ist auf diese Weise mit dem Verstand verknüpft. Der Verstand redet dir also mit irgendeinem Gedanken ein, dass irgendetwas nicht stimmt und erzeugt damit ein ungutes Gefühl. Wenn du den Gedanken erkennst, der hinter dem Gefühl steckt, kann es dir gelingen, ihn durch Beobachtung und Hinterfragung zu lösen, indem du z.B. erkennst, dass dieser Gedanke gar nicht wahr ist – wie so viele unserer Gedanken, die wir einfach von irgendwem übernommen haben. Wenn dir das gelingt, wird sich auch dein Gefühl bessern.

Doch was tun, wenn du den Gedanken dahinter nicht erkennst? Wenn das Gefühl so undefinierbar ist und dich total verwirrt? Auch das ist erstmal kein Problem! Du musst den Grund gar nicht wissen. Es wird nur zum Problem, wenn du dich komplett mit deinem Gefühl identifizierst und dich davon vereinnahmen lässt. Es reicht schon zu merken, dass etwas nicht stimmt und es einfach mal zu beobachten. Fühl ganz bewusst, was du gerade fühlst. Leiste keinen Widerstand, auch wenn es zunächst nicht angenehm ist. Wenn du Widerstand leistest und gegen das Gefühl ankämpfst, wird es sich nur verstärken und dein Leid noch vergrößern. Nimm es an, spür in dich hinein, schau dir das Gefühl an. Damit gehst du automatisch in eine Beobachterrolle und identifizierst dich nicht mit dem Gefühl. Und doch schenkst du ihm deine volle Aufmerksamkeit. Indem du es wahrnimmst, zulässt, nicht verdrängst, schaffst du Raum und Weite, einen Raum für Transformation. Deine Aufmerksamkeit ist vergleichbar mit einem Lichtstrahl, den du ins Dunkel (ins schlechte Gefühl) gibst. Dadurch wird das Licht immer stärker und die Dunkelheit, also dein unangenehmes Gefühl, kann nicht länger existieren.

Das klingt zu einfach? Probiere es aus. Nimm dir etwas Zeit, geh in die Stille und spür in dich hinein. Lass das komische, ungute Gefühl einfach zu. Wo ist es im Körper? Beobachte es und schenke ihm deine volle Aufmerksamkeit. Wenn Du eine bestimmte Stelle im Körper spürst, wo das Gefühl am stärksten ist, kannst du dir auch vorstellen, wie du Licht und Wärme dorthin schickst. Manchmal tut es auch gut, dort eine Hand hinzulegen. Und dann beobachte einfach, was geschieht. Vielleicht wird es leichter, vielleicht verstärkt sich das Gefühl aber auch erst einmal, weil es sich nun endlich zeigen darf, vielleicht passiert auch erstmal gar nichts. Was es auch ist, es ist okay. Manches kann sich sofort lösen, manches braucht seine Zeit. Aber schon allein, dass du es zulässt, ihm Aufmerksamkeit schenkst und somit Licht ins Dunkel bringst, wird sich etwas verändern. Wenn du dich dabei allein unwohl fühlst, such dir jemanden, der dich dabei unterstützen kann. Das ist bei heftigen negativen Emotionen auf jeden Fall zu empfehlen.

Was passiert, wenn wir unsere Gefühle nicht zulassen, sie unterdrücken und verdrängen? Wir leisten ihnen damit unbewusst Widerstand, wir wollen sie nicht fühlen, denn es ist ja unangenehm. Diese Reaktion ist zunächst einmal zutiefst menschlich und normal. Wer möchte sich schon schlecht fühlen?  Wenn aber dieses unangenehme Gefühl bereits da ist und du es nicht fühlen willst, ist das, als ob du etwas rückgängig machen wolltest, was bereits existiert. Es ist schon da, warum auch immer. Das gilt es zu akzeptieren. Es ist immer der erste Schritt: annehmen, was ist und es nicht anders haben wollen. Was aber nicht bedeutet, dass du von jetzt an nicht etwas daran verändern könntest. Dieser Raum für Veränderung entsteht, wenn du dem, was ist, Aufmerksamkeit schenkst. Ansonsten wird das Gefühl entweder bleiben oder immer wiederkehren. Es wird dich in den meisten Fällen nicht einfach gehen lassen. Es sei denn, es wird irgendwann durch ein anderes, meist noch stärker negativ empfundenes Gefühl abgelöst.

Viele Theorien besagen, dass du bei negativen Gefühlen einfach deine Gedanken ändern sollst. Positive Gedanken erzeugen positive Gefühle, das ist keine Frage. Doch wenn ein unangenehmes Gefühl so stark ist, dass es immer wieder kommt oder stets im Hintergrund zu spüren ist, braucht es mehr. Es verlangt Aufmerksamkeit, es möchte gesehen werden und es möchte, dass du dich damit beschäftigst. Du wirst es nur durch innere Arbeit wirklich lösen können. Durch Ablenkungen, wie Arbeit, Unternehmungen, Fernsehen u.ä. oder Verdrängung in Form von Alkohol- oder Drogenkonsum wird es nur in den Hintergrund geschoben. Es schlummert weiter in dir und wird sich immer wieder zeigen.

Es erfordert Mut sich seinem Innenleben zu stellen, keine Frage. Aber es kann sich dadurch so vieles verbessern und deine Lebensqualität drastisch verbessern. Du wirst lernen mit negativen Gefühlen und Gedanken besser umzugehen. Denn komplett verschwinden werden sie nie. Unser Leben ist einer natürlichen Polarität unterworfen: ohne Dunkelheit gibt es kein Licht und auch für so etwas Wunderbares wie einen Regenbogen braucht es sowohl die Sonne als auch dunkle Wolken mit Regen. Unangenehme Emotionen, Momente, Situationen gehören genauso zum Leben dazu wie die angenehmen und es ist ein Geschenk, wenn du all das fühlen kannst. Dann bist du verbunden mit dir und nicht nur vom Verstand gelenkt.

Negative Gefühle brauchen dein Leben aber nicht zu bestimmen. Indem du ihnen Beachtung schenkst, können sie sich lösen, angenehme Gefühle können sich mehren und mit den unangenehmen lässt es sich leichter umgehen. Gelassenheit, innere Ruhe und Klarheit halten Einzug. Du wirst handlungsfähig, kannst gute Entscheidungen treffen und vor allem dein Leben mehr genießen. Ein innerer Frieden kann sich breit machen, der tiefer ist als alle Gedanken und Gefühle. Er ist immer da, ganz egal, wie du dich gerade fühlst. Eckhart Tolle benutzt hierfür das Bild eines tiefen Sees, der in seinem Kern immer ruhig bleibt, wie stürmisch es an der Oberfläche auch sein mag. Auch du kannst ein tiefer See sein.

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